Mit einer Stadt in Litauen – einem Land, das nach fünf Jahrzehnten sowjetischer Fremdherrschaft gerade erst seine Unabhängigkeit zurückgewonnen hatte?
Mit einer Stadt, in der materielle Not herrschte und große gesellschaftliche sowie politische Herausforderungen zu bewältigen waren?
Ein Vorhaben also, für das es trotz vieler bestehender Städtepartnerschaften kaum vergleichbare Erfahrungen gab. Sollte die Gemeinde Riedstadt den mutigen Vorschlag eines Einwohners mit litauischen Wurzeln aufgreifen und diesen Schritt wagen?
Sie wagte ihn.
Mit dem entsprechenden Beschluss der Gemeinde wurde am 18. Januar 1993 in Riedstadt ein gemeinnütziger Verein gegründet. Seine Aufgabe: die formelle Partnerschaft zwischen beiden Kommunen mit Leben zu füllen und – in enger Abstimmung mit den gemeindlichen Gremien – die praktische Arbeitsebene dieser Verbindung zu bilden.
Ein Glücksfall, wie sich schnell zeigte. Denn die Vielzahl an Aufgaben, die eine solche Partnerschaft mit sich bringt, wäre von der Gemeindeverwaltung allein – weder zeitlich noch personell – kaum zu bewältigen gewesen.
Bereits im Juni 1993, als eine große Delegation aus Tauragė zur feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaft nach Riedstadt reiste, war der Verein aktiv: Er organisierte private Unterkünfte, stellte ein abwechslungsreiches Programm zusammen und begleitete die Gäste während ihres Aufenthalts. In diesen Tagen wurden die ersten Grundsteine gelegt – für Begegnungen, die zu Freundschaften wurden und bis heute wachsen. Durch regelmäßige gegenseitige Besuche erweitern sich diese Verbindungen stetig und beziehen immer mehr Menschen und Familien ein.
Neben der gelebten Völkerverständigung bildet die humanitäre Hilfe eine zweite tragende Säule der Vereinsarbeit. Der Verein organisiert Hilfstransporte zur Unterstützung bedürftiger Familien sowie von Kinder- und Altenheimen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen in Tauragė.
In einem eigenen Spendenlager werden Sachspenden gesammelt, sortiert und gezielt für ihren Einsatz vorbereitet. Bei konkretem Bedarf ruft der Verein auch gezielt zu bestimmten Spenden auf.
Die Resonanz ist durchweg erfreulich – nicht zuletzt, weil die Arbeit des Vereins für ihre Seriosität und Transparenz geschätzt wird. Rückmeldungen aus der Partnerstadt bestätigen dies ebenso wie die persönlichen Eindrücke von Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmern.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen – sei es bei einem Besuch im Spendenlager oder im persönlichen Gespräch.
Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.